Unbehandelte zahnmedizinische Erkrankungen fördern Krankheiten an anderen Stellen des Körpers.
Das bekannteste Beispiel hierfür ist
die nicht ausgeheilte Parodontitis (Zahnbetterkrankung, früher Parodontose). Sie ist ein Risikofaktor für Schlaganfall, Herzinfarkt, Frühgeburt, Diabetes,
Magen-Darm-Entzündungen, Transplantationen und Gelenkentzündungen.

Das Risiko ist verschieden hoch. Es reicht von zweifach erhöht für Schlaganfall bis zu 7fach erhöht für Frühgeburt.Als Mechanismus wird eine Fernwirkung der Parodontitis verursachenden Bakterien diskutiert. Die Bakterien könnten beispielsweise Toxine absondern, die an anderen Stellen wirken. Es könnte auch eine genetische Schwäche sein, die gleichzeitig die verschiedenen Organe betrifft.

Das allgemeinmedizinische Risiko
der Karies ist sicher viel kleiner. Karieskeime finden sich bei Entzündungen in Lunge, Nebenhöhle, Hirnhaut und Herz. Dies sind seltene, aber schwerwiegende Ereignisse. Zudem ist eine mit Bakterien aus dem Mund besiedelte Herzklappe für den Patienten leicht vermeidbar.

Eine unbehandelte Entzündung des Wurzelkanals birgt wieder ein
weitaus höheres allgemeinmedizinisches Risiko. Die Forschung ist hier in den Anfängen und schwierig. Eine schlecht vertragene Wurzelbehandlung kann
das Risiko für Herzkrankheit um das Doppelte erhöhen.
Bei Entzündungszeichen im Röntgen sollte deswegen trotz Abwesenheit von Schmerz gehandelt werden.

Der Begriff der ganzheitlichen Zahnmedizin ist nicht allgemein anerkannt. Synonym ist die interdisziplinäre Zahnmedizin. Die beiden Begriffe werden in einer
Jute-statt-Plastik-Ecke verortet, die
sie nicht verdienen.

Alle Zusammenhänge in diesem
Kapitel sind evidence based, d. h. wissenschaftlich genau nachgewiesen.